Argumente der Gegner der Grundschulschließung
 
Die Gegenargumente können wie folgt zusammengefasst werden:

1. Jährliche Kosten für die Grundschule Groß Ilsede

Die SPD-Fraktion argumentiert, dass bei einer Schließung der Groß Ilseder Grundschule ca. EUR 60.000 jährlich im Haushalt gespart werden könnten. Dieser Betrag dürfte sich aus den Mietkosten von rd. EUR 10.000, den Bewirtschaftungskosten von rd. EUR 15.000, den Budget-Kosten von rd. EUR 6.000 sowie den Lohn-/Vergütungskosten von rd. EUR 30.000 zusammensetzen. Wir Elternvertreter halten dagegen, dass es sich hierbei lediglich um die Bruttoeinsparungen handelt. Die „Schülerverlagerung“ ist jedoch nicht zum Nulltarif zu haben. Die Aufnahme der Groß Ilseder Schüler ist für die aufnehmende Schule mit zusätzlichen Kosten (z.B. Heizung, Strom, Reinigung, Personal) verbunden, die bisher nicht ermittelt wurden. Gegebenenfalls sind in der aufnehmenden Schule sogar Bau- bzw. Renovierungsmaßnahmen erforderlich. Die wiederholt gestellte Frage nach den Nettoeinsparungen konnte in den öffentlichen Ratssitzungen bisher nicht beantwortet werden.

Zu der Mietkostenargumentation der SPD-Fraktion ist zu sagen, dass den jährlichen Mietkosten für die Groß Ilseder Grundschule von ca. EUR 10.000 die Bauunterhaltungskosten der anderen Grundschulen gegenüberzustellen sind. Diese betrugen 2002 insgesamt EUR 55.292, somit durchschnittlich ca. EUR 11.000 pro Grundschule.

2. Transportkosten für die Schülerbeförderung

Ungeklärt ist, wer für die entstehenden Schülertransportkosten aufkommen würde. Wahrscheinlich wären diese von den Eltern zu tragen, da hierbei der Entfernung von der Ortsmitte Groß Ilsede zu der aufnehmenden Schule entscheidende Bedeutung zukommt. In jedem Fall entstehen durch die Beförderungsnotwendigkeit zusätzliche Kosten. Den Schulweg zu Fuß oder per Fahrrad zu bewältigen, dürfte in den allermeisten Fällen unrealistisch sein. Auch die zu dieser Problematik von den Elternvertretern öffentlich gestellten Fragen blieben bisher unbeantwortet.

3. Familienpolitik der Gemeinde Ilsede

Viele junge Familien haben in Groß Ilsede Grundvermögen gekauft. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es hier sämtliche Schulformen gibt. Kurze Schulwege sind ein wichtiger Standortfaktor und insbesondere für Grundschulkinder von Bedeutung (kurze Wege für kurze Beine). Jetzt erfahren diese Familien mit Kindern im Kindergarten und/oder in der Grundschule von der drohenden Schulschließung! Die betroffenen Eltern fühlen sich von der Gemeinde verschaukelt, die im Übrigen auf ihrer Webseite im Internet die möglichen Schulschließungen bisher mit keinem Wort erwähnt! Ein Wegfall der Grundschule wirkt sich negativ auf die Attraktivität des Wohnortes aus und müsste tendenziell niedrigere Grundstückspreise in Groß Ilsede zur Folge haben, eine auch aus Sicht der Gemeinde negative Entwicklung.

4. Erfolgreiche Schule mit umfassendem Nachmittagsangebot

Die Grundschule Groß Ilsede ist momentan die einzige Ilseder Grundschule mit einem Nachmittagsangebot. Die Freizeit- und Zusatzangebote sind in der Gemeinde einzigartig (z.B. Frühfranzösisch, Musik und Computerkurse). Die Schule wurde im April 2005 als Grundschule mit Nachmittagsangebot als Teil des Ganztagszentrums genehmigt, was auch eine Anerkennung für das bestehende Konzept der Schule ist. Mehrkosten entstehen der Gemeinde durch das Zusatzangebot nicht!

5. Erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Hauptschule

Schulleiter Balke und den Lehrerinnen und Lehrern ist es an der Ilseder Grund- und Hauptschule gelungen, ein Klima zu schaffen, dass in punkto Zusammengehörigkeitsgefühl, gegenseitige Rücksichtsnahme und Hilfsbereitschaft zwischen Groß und Klein an dieser Schulmischform seines Gleichen sucht!

6. Die Lehren aus der Pisastudie bleiben unberücksichtigt

Den Groß Ilseder Elternvertretern wurde bei der Beschäftigung mit dem Thema Schulschließung schnell klar, dass die Qualität der Schulbildung bei den Überlegungen der SPD-Fraktion und der Verwaltung keine Berücksichtigung findet und außerhalb der Betrachtung bleibt. In diesem Zusammenhang sei nur an die Ablehnung der u.a. mit Pädagogen besetzten Expertenkommission erinnert. In einer öffentlichen Ratssitzung wurde explizit gesagt, dass allein Haushaltsüberlegungen entscheidend seien und man sich mit pädagogischen Fragen bei einer Neuordnung der Schullandschaft nicht beschäftigen wolle. Die Elternvertreter fragen sich in diesem Zusammenhang auch, was ein städtisches Planungsbüro (mit welchem die Gemeinde im Übrigen bei der Planung des Hüttengeländes bereits zusammengearbeitet hat) für die Planung der Neuordnung der Ilseder Schullandschaft eigentlich qualifiziert und ob das Planungsbüro pädagogische Aspekte bei der Gutachtenerstellung einbringen und bewerten kann und wird.

Es ist zu befürchten, dass bei nur zwei Grundschulstandorten in der Gemeinde deutlich höhere Schülerzahlen pro Klasse die Regel sein werden (bis zum erlaubten Maximum). Insbesondere die schwächeren Schüler werden bei solch einer Konstellation das Nachsehen haben. Dabei darf eine gute Schulbildung kein Luxusgut sein. Die Schüler haben das Recht auf eine gute Schulbildung. Die Eltern der Groß Ilseder Grundschüler haben den Eindruck, dass die umfangreich diskutierten schlechten Ergebnisse der deutschen Schulen bei den internationalen PISA Vergleichen in Ilsede keine Rolle spielen. Obwohl auf allen politischen Ebenen viel von der Verbesserung der Schulbildung gesprochen wird, wird in Ilsede nicht entsprechend gehandelt.

7. Ergebnis des Gutachtens wurde schon vorweggenommen

Die wiederholte Beteuerung der SPD-Fraktion, dass in Auftrag gegebene Gutachten sei ergebnisneutral, ist nicht plausibel und nicht haltbar. Ein Gutachten auf Basis des Auftrages kann aus Sicht der Groß Ilseder Grundschule nicht objektiv sein und würde gegen das Gleichbehandlungsprinzip aller Ilseder Grundschulen verstoßen. Vor dem Hintergrund massiver Proteste ist mittlerweile eine Überarbeitung und Neuformulierung des Auftrages an das Planungsbüro nicht mehr ausgeschlossen. In der nächsten nicht öffentlichen Sitzung des Verwaltungsausschusses ist das Gutachten jedenfalls nochmals Tagesordnungspunkt. Letztlich ist dem Planungsbüro jedoch jetzt bekannt, was der Auftraggeber eigentlich als Ergebnis im Gutachten lesen möchte. Die Elternvertreter befürchten, dass dieses Einfluss auf das Ergebnis des Gutachtens haben könnte.

Fazit

Die voraussichtlich zu erwartenden Nettoeinsparungen der Grundschulschließung in Groß Ilsede, die bisher nicht durch konkrete Zahlen belegt werden können und unserer Auffassung nach weit unter den genannten Bruttoeinsparungen von EUR 60.000 liegen werden, stehen in keinem Verhältnis zu den resultierenden Konsequenzen für die derzeit rd. 125 Schüler und ihre Familien sowie für die Gemeinde als Ganzes.

Politischer Wille der im Rat vertretenden Mehrheitsfraktion scheint es jedoch zu sein, die Schulschließung in Groß Ilsede auf jedem Fall herbeizuführen. Wie anders ist sonst die im Auftrag zum Gutachten gewählte Formulierung zu werten? Wir halten das Vorgehen der Befürworter der Schulschließung für völlig unakzeptabel und werden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dagegen vorgehen.

 
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